November 19, 2025 at 07:03 AM

Der neue Herbizidvorschlag der EPA entfacht den Kampf um „Forever Chemicals“ neu — und löst einen Politik-Konflikt zwischen roten und blauen Bundesstaaten aus

Der neue Herbizidvorschlag der EPA entfacht den Kampf um „Forever Chemicals“ neu — und löst einen Politik-Konflikt zwischen roten und blauen Bundesstaaten aus

Am 3. November eröffnete die Environmental Protection Agency eine 30‑tägige öffentliche Kommentierungsfrist zur vorgeschlagenen Registrierung von epyrifenacil, einem Vorpflanzungs‑„burndown“‑Herbizid für Mais, Sojabohnen, Weizen, Raps und nichtlandwirtschaftliche Flächen. Der Schritt erfolgt, während Umwelt‑ und Industriegruppen darüber streiten, wie die USA PFAS regulieren sollten — die breite Klasse der „Forever Chemicals“, zu der viele fluorierte Pestizide gehören — und nur Tage nachdem neue Berichte Druck innerhalb der Trump‑Administration hervorgehoben hatten, weitere PFAS‑bezogene Pestizidanwendungen zu genehmigen. [1]

  • Was neu ist: Die EPA hat die Registrierung von epyrifenacil vorgeschlagen; öffentliche Kommentare enden am 3. Dezember 2025. [2]
  • Warum das wichtig ist: Epyrifenacil enthält ein fluoriertes Kohlenstoffatom und fällt damit in die Definitionsauseinandersetzung darüber, was als PFAS gilt — ein Streit, der bestimmt, wie streng die USA ganze Unterklassen von Chemikalien regulieren. [3]
  • Was umstritten ist: Umweltvertreter warnen, dass sich einige fluorierte Pestizide zu Trifluoressigsäure (TFA) abbauen können, einer ultra‑kurzkettigen PFAS‑Verbindung, die in der EU nun als reproduktionstoxisch vorgeschlagen wurde; die EPA sagt, jedes Pestizid werde fall‑für‑fall nach FIFRA bewertet. [4]

Der Vorschlag: Umfang, Schutzmaßnahmen und Zeitplan

Der Vorschlag der EPA würde zwei Produkte mit dem neuen Wirkstoff epyrifenacil für Vorpflanzungs‑burndown‑Anwendungen in Raps, Feldmais, Sojabohnen, Weizen und Brache sowie für nichtlandwirtschaftliche Anwendungen in der Nähe von Industrie‑ und Landwirtschaftsgebäuden zulassen. Die Behörde gibt an, ihre Bewertung der menschlichen Gesundheit habe „keine besorgniserregenden Risiken“ bei Verwendung gemäß Etikett ergeben, doch ihr Screening nach dem Endangered Species Act ergab, dass die Verwendung „betreffen kann und voraussichtlich nachteilig beeinflusst“ mehrere gelistete Arten — was zusätzliche Minderungsmaßnahmen erforderlich machte: Abdrift‑Puffer, Maßnahmen gegen Oberflächenabfluss/Erosion, Beschränkungen bei Regen/Sättigung und die Befolgung von ESA‑Bulletins. Die EPA setzte eine 30‑tägige Kommentierungsfrist bis zum 3. Dezember 2025 unter dem Docket EPA‑HQ‑OPP‑2022‑0354. [5]

Wichtiger Verfahrenshinweis: Dies ist eine vorgeschlagene Registrierung nach FIFRA — keine endgültige Zulassung. Nach Durchsicht der Kommentare und der Finalisierung ihrer biologischen Bewertung kann die EPA vor einer endgültigen Entscheidung mit dem Fish & Wildlife Service oder NOAA Fisheries konsultieren. [6]

Die politische Bruchlinie: Was als PFAS gilt — und warum das wichtig ist

Im Kern des politischen Streits steht die Definition. Die weithin zitierte OECD‑Leitlinie von 2021 definiert PFAS als jede fluorierte Substanz mit mindestens einem vollständig fluorierten Methyl‑ oder Methylenkohlenstoff (z. B. –CF3 oder –CF2–). Nach dieser Norm fallen viele fluorierte Pestizide in das PFAS‑Universum, trotz unterschiedlicher Toxizitätsprofile. US‑Behörden und Bundesstaaten verweisen auf unterschiedliche Definitionen, was Überwachung, Meldung, Haftung für Reinigung und die Frage beeinflusst, ob PFAS als Klasse oder einzeln reguliert werden. [7]

Wissenschaftler haben vor Versuchen gewarnt, die PFAS‑Definition einzuengen, da dies regulatorische blinde Flecken schaffen würde. Die Berichterstattung in europäischen und US‑Medien in diesem Jahr dokumentierte Lobbyarbeit, ganze Unterfamilien auszuschließen, während Versorgungsunternehmen und Gesundheitsgruppen zugleich stärkere Kontrollen fordern. [8]

Europas Signal zu TFA erhöht die Einsätze für fluorierte Pestizide

Europäische Behörden haben Schritte unternommen, Trifluoressigsäure (TFA) — eine ultra‑kurzkettige PFAS‑Verbindung und ein Abbauprodukt mehrerer fluorierter Chemikalien — als reproduktionstoxisch (Kategorie 1B) sowie als „sehr persistent, sehr mobil“ in der Umwelt zu klassifizieren. Deutschland reichte das harmonisierte Klassifizierungsdossier diesen Frühling bei der ECHA ein; die Stellungnahme des Risk Assessment Committee steht noch aus. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass TFA weit verbreitet im Grundwasser nachgewiesen wurde und mit Standardbehandlungen schwer zu entfernen ist. [9]

Der US‑Kontext ist gemischt: Die HERO‑Datenbank der EPA enthält Literatur, die Umweltrisiken von TFA bei erwarteten Umgebungswerten historisch als gering charakterisierte, doch diese Analyse geht den jüngsten europäischen Gefahrenvorschlägen und der breiteren Nachweislage voraus. Übersetzt: Die wissenschaftlichen und politischen Signale gehen über den Atlantik auseinander, was die Risikokommunikation in den USA verkompliziert. [10]

Die Haltung der EPA zu Pestiziden

Die EPA sagt, jedes Pestizid — ob PFAS oder nicht — müsse eine chemikalienspezifische Sicherheitsprüfung bestehen, und sie hat PFAS‑Meldepflichten und -Grenzen in mehreren Programmen vorgeschlagen (Ergänzungen zum TRI, TSCA‑Meldungen). [11]

Forderungen der Umweltvertreter

Umwelt‑ und Wasserschutzgruppen fordern zunehmend eine klassenbasierte Kontrolle von PFAS und verweisen auf Mobilität, Persistenz und kumulative Belastung in Trinkwasserressourcen. [12]

Heutiger Streitpunkt

Die Guardian‑Berichterstattung heute meldet, dass die Regierung kurz davor steht, einen weiteren PFAS‑verknüpften Pestizidwirkstoff zu genehmigen, und wirft ein Schlaglicht darauf, wie die EPA fluorierte Wirkstoffe wie epyrifenacil behandelt. Die Mitteilung der EPA vom 3. November nennt TFA nicht explizit als Metabolit; die im Docket enthaltenen Risikoabschätzungen werden zentral für diese Debatte sein. [13]

Wie es dazu kam: US‑PFAS‑Politiksignale 2024–2025

  • Die EPA erweiterte die PFAS‑Erfassung im Toxics Release Inventory und förderte TSCA‑Meldepflichten für seit 2011 hergestellte oder importierte PFAS, während sie getrennte Trinkwasser‑Politik und Superfund‑Maßnahmen für altbekannte PFAS wie PFOA/PFOS vorantrieb. [14]
  • Die Behörde hat auch eine Kommunikationsposition formuliert: Pestizide mit „einem fluorierten Kohlenstoff“ unterliegen derselben risikobasierten FIFRA‑Prüfung wie andere Wirkstoffe; diese Position weicht von Forderungen der Befürworter ab, die kategorische Beschränkungen für fluorierte Pestizide verlangen. [15]
  • Frühere Berichte in diesem Jahr beschrieben einen Plan der EPA, Teile der Biden‑Ära‑Trinkwassergrenzwerte für PFAS zurückzunehmen, während die beiden strengsten beibehalten werden sollten — ein Schritt, den Umweltgruppen bekämpfen wollen; eine endgültige Regelung würde die rechtliche Beständigkeit bestimmen. [16]

Wofür jede Seite argumentiert

EPA/Industrie‑Sicht Umwelt-/Wasserversorgungs‑Perspektive
- FIFRA verlangt bereits chemikalienspezifische Risikoermittlungen; epyrifenacil zeigt bei zugelassenen Anwendungen keine für die menschliche Gesundheit besorgniserregenden Risiken, und die EPA kann Minderungsmaßnahmen auferlegen, um die ökologische Exposition zu reduzieren. - „PFAS“ sei zu weit gefasst; einige fluorierte Moleküle könnten nicht die gleichen Risiken wie die bekannten PFAS darstellen. [17] - Fluorierte Wirkstoffe und einige inerte Stoffe können in persistente PFAS wie TFA zerfallen, die sich schnell in Einzugsgebieten ausbreiten und herkömmliche Behandlungen umgehen; Vorsorge sollte Genehmigungen leiten. - Die vorgeschlagene TFA‑Klassifizierung der EU unterstreicht langfristige Gefahren, die in der US‑Politik heruntergespielt werden. [18]

Expertenkontext: Was die Wissenschaft kann (und was nicht)

Peer‑reviewte Arbeiten zeigen, dass sich einige Fluorchemikalien zu TFA biologisch abbauen können; die Nachweise nehmen zu, aber die Übersetzung von Umweltkonzentrationen in Gesundheitsrisiken auf Bevölkerungsebene bleibt umstritten und regionsspezifisch. Erwarten Sie, dass die Daten zum Umweltverhalten im Docket zu epyrifenacil intensive Prüfung darauf erfahren werden, ob dessen Verwendung wesentlich zu TFA‑Belastungen beiträgt. [19]

„Eine harmonisierte Einstufung ist ein wichtiges Instrument zur Kommunikation von Gefahren und bildet die Grundlage für das Risikomanagement… wir legen eine wichtige Grundlage, um die Einträge dieser persistierenden und gefährlichen Chemikalie zu reduzieren.“ — Bundesamt für Chemikalien zur Einreichung seines TFA‑Dossiers bei der ECHA (26. Mai 2025). [20]

Worauf man als Nächstes achten sollte (November–Dezember 2025) 🗓️

Die im Docket der EPA enthaltene Wissenschaft

Achten Sie auf Metabolismus‑ und Umweltverhaltensstudien im Docket EPA‑HQ‑OPP‑2022‑0354, die klären sollen, ob epyrifenacil unter realen Bedingungen TFA oder andere persistente Produkte bildet. Öffentliche Kommentare sind bis zum 3. Dezember fällig. [21]

Politik der Definition

Wenn die Regierung die Arbeitsdefinition von PFAS in einem Programm einengt, ist mit Rechtsstreitigkeiten zu rechnen; Wissenschaftler und EU‑Regulierer bewegen sich in die entgegengesetzte Richtung. [22]

Widerstand des Wassersektors

Versorgungsunternehmen, die vor teuren Aufrüstungen stehen, werden die EPA drängen, PFAS‑erzeugende Pestizide kumulativ zu bewerten — nicht Molekül für Molekül — angesichts der TRI‑Erweiterungen und bevorstehender TSCA‑Meldungen. [23]

Fazit

Der Vorschlag der EPA zu epyrifenacil ist mehr als eine routinemäßige Etikettenmaßnahme: Er ist ein Frühindikator dafür, wie die USA ein risikobasiertes Pestizidgesetz mit dem wachsenden Druck — im Inland und international — in Einklang bringen werden, PFAS als Klasse zu behandeln. Die Behörde argumentiert, ihr bestehendes Instrumentarium könne Risiken durch gezielte Minderungen und fallbezogene Wissenschaft steuern. Umweltvertreter entgegnen, dass persistente, mobile PFAS wie TFA Prävention am Quellort und nicht nachgelagerte Reinigung erfordern. Der nächste Monat der Kommentare — und das technische Dossier, das die EPA veröffentlicht — wird anzeigen, welche Philosophie sich durchsetzt. [24]

Wie man sich einbringt

Reichen Sie Kommentare zum Docket EPA‑HQ‑OPP‑2022‑0354 bis zum 3. Dezember 2025 ein. Der Vorschlag der EPA und Anweisungen sind auf der Website der Behörde verfügbar. [25]

Quellen

  • EPA: „EPA kündigt vorgeschlagene Registrierung des Herbizids Epyrifenacil an“ (3.–4. Nov. 2025). [26]
  • Guardian: „Trump‑Beamte stehen kurz davor, 'Forever Chemical' als Pestizidbestandteil zu genehmigen“ (11. Nov. 2025). [27]
  • EPA: „Pestizide mit einem fluorierten Kohlenstoff“ — Erklärstück. [28]
  • OECD: „Reconciling Terminology… PFAS“ (2021) und technische Zusammenfassungen der Definition. [29]
  • ECHA/DE‑Behörden: CLH‑Absicht und Pressehinweis deutscher Behörden zum TFA‑Gefährdungsvorschlag (Mai 2025). [30]
  • EPA HERO: Diskussion zu altbekannten Umweltrisiken von TFA. [31]
  • EPA: Ergänzungen von PFAS im TRI (Leitlinien für die Berichterstattung 2025). [32]
  • AP‑Berichterstattung zu Änderungen der US‑Trinkwasser‑PFAS‑Politik (Juni 2025). [33]

Hinweis zur Verifizierung: Der heutige Guardian‑Bericht verknüpft epyrifenacil mit der TFA‑Bildung; die Mitteilung der EPA vom 3. Nov. nennt TFA in ihrer Zusammenfassung nicht explizit unter den Metaboliten. Leser sollten die vollständigen Risikoabschätzungen im Docket EPA‑HQ‑OPP‑2022‑0354 prüfen, sobald sie veröffentlicht werden; dieser Beitrag wird aktualisiert, sobald das technische Dossier freigegeben wird. [34]

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Referenzen

epa.gov

echa.europa.eu

oecd.org

theguardian.com

hero.epa.gov

eeb.org

apnews.com

umweltbundesamt.de

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